Mit fünfundzwanzig stand Finn unter einem Bauzelt und sah zu, wie schwere Bagger die ganze Nacht durch den Schlamm gruben und einen verfilzten Strauchgürtel herausrissen, der mehrere Jahrhunderte Stürme überstanden hatte, nur damit ein Baubeginnsbericht vor den Quartalszahlen fertig war. Am nächsten Morgen klopfte ihm sein Vorgesetzter auf die Schulter: Nicht träumen, geh zurück und mach den CO2-Ausgleichsbericht hübsch. Er ging in den Waschraum, sah im Spiegel einen Fünfundzwanzigjährigen mit grauem Gesicht und übergab sich ins Waschbecken. Auf einmal verstand er, dass er sich von den Sträuchern nicht unterschied: beschnitten, hochgetrieben, ausgepresst und weggeworfen von derselben Maschine namens Effizienz und Zukunft.
Eine schwere Lungenentzündung nach vierzig Stunden Überstunden brachte ihn in einen Flur der Notaufnahme. Während die Nachrichten seines Chefs weiter eintrafen, zog Finn die Infusion aus seiner Hand, warf den Ausweis in den Medizinabfall, entfernte die SIM-Karte aus dem Telefon und stieg auf einen Kühllaster mit frischem Kohl. Er schlief zwei Wochen lang in einem halb eingestürzten alten Gewächshaus am Ende einer Kleinstadt. Als er zum ersten Mal barfuß in warme, lockere Erde trat und sah, wie ein Unkraut einen weggeworfenen Betonstein spaltete, verbarg er das Gesicht in den Händen und fand seinen Atem wieder. Die zerbrochenen Scheiben hat er nie ersetzt; bis heute hängt wilder Wein durch die Eisenkuppel.
